TEXT ZUR AUSSTELLUNG

Malerei, Zeichnung von Ute Rakob und Gotthard Bonell

 

Die Ausstellung von Gotthard Bonell und Ute Rakob in der Galerie Gefängnis Le Carceri in Kaltern ist der Dialog zweier Maler, die sich für diese Gelegenheit ein und derselben Thematik verschrieben haben, nämlich dem Motiv der Vanitas.

 

Beide sind figurative Künstler und sie zeigen hier das Vergehen, das Vergangene und den Verfall, ein Sujet, das im Barock des 17. Jahrhunderts seine Hochblüte hatte. Während sich Gotthard Bonell in seinen Bildern dem Wesen des Menschen widmet, sind es bei Ute Rakob die als wertlos betrachteten und weggeworfenen Dinge, die sie durch ihre Malerei dem Vergessen entreißt.

 

Damit gehorchen ihre Bilder der Maxime nach dem Ruf, dass Kunst etwas darüber erzählen soll, was es heißt, auf der Welt zu sein und etwas über unsere Gefühle, Sehnsüchte und Wahrnehmungen zu berichten. Quod sum eris, eram quod es: was ich jetzt bin, wirst du künftig sein, ergänzt um die komplementäre Aussage einst war ich, was du jetzt bist, - diese Erkenntnis legen uns die beiden Künstler in ihren Arbeiten also nahe und verlangen uns damit auch eine moralische Reflexion über uns selbst ab.

 

Die Fundstücke Ute Rakobs, Glas – und Keramikscherben, verrostete Metallteile oder Plastikfragmente, sind stumme Zeugnisse eines früheren Lebens, die mit unglaublicher Akribie in augentäuschender Manier portraitiert werden und so zu Ikonen einer Wegwerfgesellschaft erhoben werden. Indem pures Blattgold aufgetragen wird und pompeianisches Rot durchschimmert, inszeniert Ute Rakob zusätzlichen Antikencharakter, Wertloses wird so re-auratisiert.

 

So wie Ute Rakob Zwischenstände von Dingen malt, zeigt uns Gotthard Bonell in seinen Bildern die Metamorphose des Menschen, das Ausgeliefertsein an unsere körperliche Existenz, die Leidensgeschichte des Fleisches. Es sind Bilder von Menschen, die in einem dahinwelkenden Leib gefangen sind, der Maler zeigt aber auch deren Kampf um die Wahrung des Selbstwertgefühls und der Selbstachtung. Sie stellen sich der Hölle der Realität, unberührt von jeder Dekoration, ohne Attribute ihrer sozialen Stellung leuchten ihre Gesichter aus dem dunklen Hintergrund. So malt Gotthard Bonell nicht nur das, was er vor sich sieht, sondern auch das, was er in sich sieht. Portraits einer erstarrten und todkranken Gesellschaft.

 

Allerdings hat für die beiden Künstler die Kunst auch einen heilenden Effekt. Ute Rakob setzt das scheinbar Wertlose in reine Schönheit um, bei Gotthard Bonell wird die Schönheit zum ästhetischen Prinzip, der Mensch fühlt sich seiner Last des Irdischen enthoben. Dies ganz im Sinne Platons, der meinte:“ Wenn es etwas gibt, wofür zu leben es sich lohnt, dann ist es die Betrachtung des Schönen.“

 

Brigitte Matthias

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