TEXT ZUR AUSSTELLUNG

Viaggio in Bulgaria

Fotografien, Zeichnungen von Kiril Cholakov und Elisabeth Hölzl

Kiril kehrt nach Hause zurück, Elisabeth bereist einen Ort zum ersten Mal.

Sie reisen gemeinsam.

Kiril hat bereits alles gesehen.

Elisabeth hat noch nichts gesehen.

Sie reisen gemeinsam.

Kiril kehrt an seine Orte zurück, er kennt sie in- und auswendig. Falls sich etwas verändert hat, zählt dies nur bis zu einem gewissen Grad.

Elisabeth trifft auf eine vollkommen andere Welt als jene, in der sie lebt.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich dazu entscheidet, sich mit dem auseinanderzusetzen, was von den Bauten derjenigen bleibt, die dachten, die Welt verändern zu können.

Kiril kehrt nach Hause zurück. Er ist hier geboren und aufgewachsen. Irgendwann ging er weg.

Weggehen bedeutet immer auch zurückkehren. Ort und Zeit können nicht getrennt werden.

Elisabeth möchte alles sehen.

Kiril hat bereits alles gesehen. Elisabeth fotografiert die ohrenbetäubende Stille des Falls einer Macht. Die überdimensionierten Monumente, die Gebäude, durch die sich das Regime darstellte, Zeichen und Symbole.

Aus der Ferne, aus der Nähe, von Innen, sobald sie eintreten kann.

Kiril weiß, wo er hingeht, wie man sich bewegt, wann man eintreten kann.

Elisabeth stellt die Ruinen einer Welt dar, die nicht mehr existiert, die niemand den Mut hat zu eliminieren.

Sie fotografiert Phantasmen.

Kiril weiß, wo diese wohnen.

Elisabeth und die Einsamkeit und immer noch die Stille.

Kiril führt sie.

Elisabeth erfasst den Blick derjenigen, die Überleben dem Wiederholen einer Geste anvertraut haben. Tag für Tag.

Wieviel zählt der Sturz der Macht für diejenigen, die nie daran teil hatten?

Kiril fährt das Auto.

Elisabeth trifft auf Menschen, die unbeschwert auf den Ruinen der Geschichte leben, weil sie zu jener Zeit noch nicht geboren waren.

Kiril kennt diese Nuancen.

Elisabeth kehrt in die Welt der Lebenden zurück und hält Spuren fest, die eine Beschleunigung beschreiben.

Kiril kauft am Markt, den er kennt, ein, er lächelt, als ob er nie weggegangen sei.

Elisabeth begleitet ihn.

Kiril zu Hause bei der Mutter.

Elisabeth erlebt die Achtsamkeit im Alltäglichen, Kleinen, die Bildausschnitte sind enger gewählt.

Kiril in Izvor, dem Dorf seines Vaters, es ist eine Reise in seine Zeit. Hier verweilen die Störche auf ihrer Reise, und dies ist einer der wenigen Orte, an denen ein Mensch und ein Storch Freunde wurden. So heißt es.

Elisabeth hört zu.

Kiril sieht alles wie im Nebel versunken. Noch einmal der Storch, sein Freund, sein Nest. Das kollektive Gedächtnis reicht weiter in die Vergangenheit als die eigenen Erinnerungen.
Elisabeth blickt sich um.

Kiril sieht mysteriöse Präsenzen, Mensch-Tiere und Tier-Menschen, er gibt sie in seinen Zeichnungen wieder. Die Wirkungen der Vergangenheit leben in uns. Die Ursachen verlieren sich in der Zeit.

Lebt man anderswo, so wird die Wahrnehmung, Teil einer Geschichte zu sein, eine innere Notwendigkeit, die dabei hilft, einen Faden zu behalten, die Schatten gewinnen Leben.

Elisabeth begleitet ihn bei dieser Reise.

Kiril fotografiert ein Häufchen Storchenfedern. Das Weiße und Schwarze der Chronik dokumentiert ein Verbrechen, das infolge eines Verrats begangen wurde. Die Freundschaft zwischen Individuen unterschiedlicher Art ist gefährlich. So heißt es.

Emanuela De Cecco

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Foto ab/dal 2016 © Nora Sölva

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