TEXT ZUR AUSSTELLUNG

... Grumus merdae ...

(ein Aberglaube?) von Karin Welponer und Peter Sauerer

Ein Gefangener, der im Sinne hat zu fliehen, glaubt geschützt zu sein, wenn er sich beim Gefängnis entleert, da er dann nicht verfolgt werden kann (aus dem Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens von 1931).

 

Karin Welponer und Peter Sauerer präsentieren in der Galerie Gefängnis Le Carceri zum Teil eigens für die Räumlichkeiten geschaffene Werke. Die Verbindung zwischen den beiden unterschiedlich arbeitenden Künstlern liegt in dem Wort „weiter-gedacht“. Als Ausgangsobjekte fungieren bei beiden Momentaufnahmen oder Augenblicke, in denen es den Objekten gelingt, die Aufmerksamkeit der Künstler auf sie zu fokussieren. Davon ausgehend entstehen von der Realität abgeleitete, „weitergedachte“ Werke.

 

Ausgangspunkt von Karin Welponers Werken sind kleinformatige schwarz-weiße Fotoarbeiten. Durch einen kleinen Eingriff gelingt es der Künstlerin, einen neuen Kontext herzustellen. Es ist das Surreale, das den Betrachter anhält, die Arbeiten genauer zu beobachten, in sie einzutauchen. Indem die Künstlerin „weitergedacht“ hat, lässt sie Spielraum für Interpretationen entstehen, überrascht und hinterfragt. Dadurch entstehen neue Zusammenhänge mit neuen Ausgangspunkten. Ein veränderter Kontext, der ironisch, politisch oder religiös wird, aber immer gezielt auf etwas hinweist.

 

Das Hauptwerk Welponers in dieser Ausstellung ist die Installation Lettera 22: Dem Aufruf, sich an der Installation zu beteiligen, sind viele gefolgt und haben einen Brief aus einem fiktiven Gefängnis verfasst. Diese Briefe, auf einem endlosen Papierband auf der Reise-Schreibmaschine Lettera 22 transkribiert, schlängeln sich durch die Galerieräume und versuchen, eine Antwort zu geben auf die Frage: Vom Dunklen bis ins Helle ist es ein Weg von wie vielen Millimetern?

 

„weitergedacht“ trifft auch die Formel, welcher sich Peter Sauerer bedient, um in seine Werke einzutauchen. Sein Interesse wird von Impulsen festgehalten, die ihn von den Dingen ausgehend gefangen nehmen. Erregen sie sein Interesse, wird „weitergedacht“. Von den ersten Kontakten ausgehend untersucht er sein Gegenüber, analysiert es bis in die einzelnen Bruchstücke. Diese außerordentlichen Dinge, die den Künstler für sich gefangen nehmen konnten, werden nun sorgsam, mit Gefühl und Detailverliebt in Holz geschnitzt und bemalt. Es geht ihm um Gestaltung und Formen, und wie er durch die Verbindung von Auge und Hand diesen minimalistischen Nachbildungen eines bereits real existierenden Gegenstandes eine Aufgabe geben kann.

 

Zeugnis dieser Übertragung von Künstler auf Kunstwerk sind unter anderem eine amerikanische Pistole mit dem Titel „Colt MKIV sagrado corazòn“ und die Nachbildung einer Straßenkreuzung in der Nähe des Madison Square Gardens in New York, welche in Google Earth Perspektive unter den Koordinaten 40°45‘03.35‘‘N73°59‘26.66‘‘W zu finden ist.

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Foto ab/dal 2016 © Nora Sölva

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