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TEXT ZUR AUSSTELLUNG

REPEAT

Objekte und Installationen von Anna M. Rose und AliPaloma

In REPEAT beschäftigen sich AliPaloma und Anna Meryl Rose mit Abläufen und Alltagsritualen, die außerhalb und innerhalb der Gefängnismauern eine wichtige Rolle in Hinblick auf Zeit und Körper spielen. Gemeinsam ist den beiden Multimediakünstlerinnen der Fokus auf den weiblichen* Körper und das Aufgreifen vertrauter Alltagsobjekte. Durch das Ersetzen herkömmlicher Materialien oder deren Kompositionsveränderungen reagieren sie auf soziokulturelle Thematiken. Auch in „REPEAT“ lassen sie minimale, sich wiederholende Objekte sprechen und ästhetisieren Abläufe der Ernährung, der Arbeit und des Körperkults. Die Künstlerinnen lassen sich von der Architektur des Kerkers inspirieren und binden ihre gemeinsam produzierten Installationen bedacht in die Räumlichkeiten ein, sodass die Gegenwart des Gefängnisses für die Besucher*innen präsent bleibt. Die Materialien, aus denen ihre ortsspezifischen Installationen bestehen, reduzieren sie auf ein Minimum: Wasser, Brot, Wachs, Seife, Salz und Alkohol sind die Elemente, die in unterschiedlichen Aggregatzuständen zum Einsatz kommen.

Auftakt für die Ausstellung, welche als eine Art Ritual-Parkour entworfen ist, bildet die Seifeninstallation „Stay Clean“. Dieses Objekt der Reinheitshandlung ist Startschuss für eine olfaktorische Reise durch die jeweiligen Kammern. Im selben Stockwerk befindet sich die Installation „Unchain“: Ketten, die aus zahlreichen Kerzenelementen bestehen. Hier wird die gegensätzliche Eigenschaft von Routinen erfahrbar: Einerseits strukturieren Alltagsroutinen den Tagesablauf, andererseits haben sie etwas Einengendes und es gilt ihre Fesseln zu lösen.
Der Weg in die erste Etage wird von einer Audiospur “È ora di liberare la mente” begleitet, die zeitgleich zu körperlicher Betätigung und Entspannung einlädt. Nach der Anstrengungsübung erfolgt die Erfrischung in der zweiten Zelle: „Stay Hydrated“ besteht aus 248 Gläsern Wasser, entsprechend der Gesundheitsempfehlung von 8 Wassergläsern pro Tag für die Dauer der Ausstellung.
Im obersten Geschoss wartet mit „Daily Bread“ ein Parkett aus Weißbrotscheiben auf die hungrigen Besucher*innen, das sich gegen alle gesunden Prinzipien richtet. Nebenan hinterlassen die Künstlerinnen ein Netz aus Salz am Boden, das die formale Struktur der Gitterfenster aufgreift, mit dessen Schattenwurf es sich je nach Sonneneinfall überlagert. Am Ende der Reise erfahren die einzelnen Elemente in der Videoprojektion „Savasana“ eine Transformation und verschmelzen miteinander. 

 

Text zur Einführung von Jana Weissteiner

Die Duo Show über Routinen und Alltagswiederholungen von AliPaloma & Anna M. Rose.

Die Ausstellung ist noch bis 2. Oktober in der Galerie Le Carceri in Kaltern zu sehen.

AliPaloma aus Brixen und Anna Meryl Rose aus Massachusetts in den USA haben sich vor gut anderthalb Jahren in der Galerie Le Carceri in Kaltern das erste Mal getroffen, um für ihre Duo Show zusammenzukommen. Ein paar Lockdowns später sind die beiden in das ehemalige Bezirksgefängnisses eingetaucht und haben inspiriert von den besonderen Räumlichkeiten und jüngsten Ereignissen ihr Ausstellungskonzept entwickelt. Anfang September konnte die Ausstellung REPEAT schließlich für Zuschauer*innen ihre Tore öffnen.


In REPEAT geht es um Alltagsabläufe, Routinen, die innerhalb aber auch außerhalb von Gefängnismauern eine wichtige Rolle spielen. In unterschiedlichen Werken ästhetisieren die beiden Künstlerinnen Abläufe rund um den Körperkult, das Waschen, den Sport, das Essen und Trinken: Abläufe, die im vergangenen Jahr besonders erfahrbar wurden, vor allem im Zusammenhang mit dem Konzept von Zeit und dem Thema Freiheitsverlust.
 

Auch wenn die beiden aus unterschiedlichen Richtungen kommen ­– AliPaloma hat einen Abschluss der Architektur, während Anna Rose u. a. einen Titel der Psychologie vorweisen kann – treffen sie sich in der Gefängnisgalerie mit einem sehr ähnlichen Feinsinn und schaffen in Gemeinschaft und vor Ort Werke, die in die Architektur des Kerkers eingebunden sind. Die Materialien aus denen ihre ortsspezifischen Objekte und Installationen bestehen, reduzieren sie auf ein Minimum: Wasser, Brot, Wachs, Seife, Salz und Putzalkohol sind die Elemente, die in unterschiedlichen Aggregatszuständen zum Einsatz kommen und eine Art olfaktorischen Parkour durch das Gefängnis schaffen.

 

Die ersten beiden Objekte „Acqua Santa“ aus Glas und Putzalkohol und „Stay Clean“ aus handelsüblichen Marsiglia Sole-Seifen beschäftigen sich mit dem Thema der Reinheit, dem Akt des Waschens. Die Fitnessstange als Befestigung der Seifenelemente dient dabei als Formzitat und gibt der Installation etwas Maschinelles.

Im selben Stockwerk befindet sich die Installation „Unchain“; eine Kette aus Kerzenelementen, die in ein hellrosa Licht getaucht ist. Hier wird die gegensätzliche Eigenschaft von Routinen erfahrbar: Einerseits strukturieren Alltagsroutinen den Tagesablauf, andererseits haben sie etwas Einengendes und es gilt ihre Fesseln zu lösen.


Der Weg in das Obergeschoss wird von einem Audio “È ora di liberare la mente” begleitet. Es ist ein Fitness-Workout und zeigt wiederum die Ambivalenz zwischen Entspannung und Anstrengung. Die Instruktionen sind in allen Zellen zu hören und bilden eine Art Grundtenor, der zum Mitmachen und Mitfühlen einlädt.


Nach der Anstrengungsübung erfolgt die Erfrischung in der zweiten Zelle: „Stay Hydrated!“
Mit einer Menge von 8 Gläsern Wasser pro Tag entsteht ein Wasserteppich aus 248 Gläsern, die man bis zum Ende der Ausstellung trinken sollte. 


Im obersten Geschoss wartet mit „Daily Bread“ ein Parkett aus Weißbrotscheiben auf die hungrigen Besucher*innen, das sich gegen alle gesunden Prinzipien richtet. Ein Bruch zu Gesundheitsapps und dem Fitnesswahn mit dem Toastbrot als Sinnbild für unendlichen, abgepackten Konsum.


Die Kammer nebenan ist nur durch eine Öffnung einsehbar: Die Künstlerinnen hinterlassen dort ein Netz aus Salz am Boden, das die formale Struktur der Gitterfenster aufgreift. Es ist das ausgeschüttete Salz nach der körperlichen Ertüchtigung. Um 10.30 Uhr überlagert der Schattenwurf des Fenstergitters die Salzstruktur. Weiter in den Herbst hinein, werden nur noch die Gefängnisinsassen die Überlagerung beobachten können.

 

Den Abschluss des Routinen-Parkours bildet die Videoprojektion „Savasana“ in der größten Zelle. Es ist ein 30-minütiger Loop, in dem alle Einzelelemente und miteinander in Verbindung treten. So verschmelzen Wachsketten miteinander, Brot wird Seife gewaschen, Salz mit Wasser aufgelöst, Seife mit Alkohol in Brand gesetzt…