TEXT ZUR AUSSTELLUNG

We all hang together

Skulptur, Fotografie, Video und Installation von Josef Rainer und Wolfgang Stehle

Ausgehend von der Bildhauerei haben beide Künstler ihren eigenen, charakteristischen Weg gefunden, Rainer in seinen „Miniaturwelten“ und Stehle in seinen Videoarbeiten.

 

Gezeigt werden Arbeiten, die sich mit dem Individuum im Speziellen und mit unserem heutigen sozialen Gefüge im Allgemeinen beschäftigen. Die Auseinandersetzung mit dem Ort ist evident, ein Gefängnisraum als Bühne für einen Sträfling oder eine Verbrechensszene im Fernsehen sind also nur allzu verständlich. Auf witzig-geschäftige, gleichzeitig aber auch kritische Art gelingt es den gesichtslosen stereotypen kleinen Figuren „… unsere architektonische und zwischenmenschliche Umgebung zu hinterfragen“ (Josef Rainer). Mit seinen ungefähr 38 cm kleinen aus Schweißdraht und Gips geformten Skulpturen stellt Rainer alltägliche Situationen nach, die an jedem beliebigen Ort, ob in Galerieräumen oder im Freien, in leer stehenden Industriegebäuden oder an einer Straßenkreuzung eine eigentümliche Wirkung auf uns ausüben und unsere Sehgewohnheiten in Frage stellen. Rainer spielt mit den Räumen, er arrangiert das Geschehen und lotet dabei die Grenzen der Gefängniszellen aus. Die rege Beschäftigung der kleinen “Menschen“ animiert den Galeriebesucher, es ihm gleichzutun – die entsprechende Arbeitskleidung hängt schon für ihn bereit an der Wand. Josef Rainer fotografiert seine Inszenierungen und präsentiert sie in Großformat in den Galerieräumen. Zusammen mit den ähnlich dargestellten Handlungen in den Gefängniszellen entsteht ein Verdoppelungseffekt, der vor allem von den unterschiedlichen Dimensionen der stattfindenden Geschichte in Miniaturformat und der vergrößerten Abbildung derselben seine Spannung erhält. Wolfgang Stehle's ironisch-melancholischen Arbeiten erfordern durch ihre Reduzierung aufs Wesentliche einen konzeptuellen Zugang. Stehle benutzt den Bildschirm als Leinwand für Zeichnungen, deren Hauptakteure vor neutralem weißem Hintergrund in immer wiederkehrenden kurzen Sequenzen scheinbar banale Gesten und Handlungen thematisieren. Im Zeichentrickvideo „Headbanging“ wirft die dargestellte Person zu den akustischen Klängen eines rückwärts gespielten Gitarrensounds in einer monotonen, aufs Minimum beschränkten Bewegung ihren Kopf immer wieder vor und zurück. „Diese perpetuierende Attitüde ohne Hoffnung auf ein Ende evoziert ein Gefühl des Gefangenseins in der Bewegung“ (Stephan Huber). Ähnlich in der Videoinstallation „Trafo“, wo die ständig wiederkehrende Ohrenmetamorphose des Schwanz wedelnden Hundes als Metapher für die Endlosigkeit der Situation zu verstehen ist. Auch die Installationen von Wolfgang Stehle kommen ohne verschönernde Attribute aus. „Budenzauber“ ist eine raumbezogene, poetische Arbeit, eine Kiste aus unterschiedlich langen Holzlatten, die auf drei Stützen in den Raum hineinzuwachsen scheint. Vergleiche mit einem Baumhaus, einem Haus auf Stützen sind durchaus zulässig, wobei die Arbeit primär vor allem den geschlossenen Raum thematisiert und dabei reichlich Spielraum für Interpretationen offen lässt.

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