TEXT ZUR AUSSTELLUNG

 

ANSICHTEN

Malerei von Michael Munding und Ivo Mahlknecht

 

Ansichten von Ansichten: Ivo Mahlknecht und Michael Munding in der Galerie Gefängnis Le Carceri.

 

Mit Ivo Mahlknecht und Michael Munding kommen zwei Maler in die Galerie Gefängnis Le Carceri, die auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten einige Gemeinsamkeiten haben. Beide verfügen über eine souveräne malerische Könnerschaft, beide betreiben etwas, was man Malerei über Malerei, bzw. Fotografie nennen könnte.

Michael Munding findet seine Bildwelten auf Kitsch-Postkartenserien, Ivo Mahlknecht taucht in die Geschichte der großen europäischen Malerei ein. Das eine wie das andere bietet einen unversieglichen Motivfundus. Ihre Bilder sind Bilder über Bilder, oder, wie der Titel der Ausstellung nahelegt, Ansichten von Ansichten.

Ivo Mahlknecht zeigt, verstreut über die ehemaligen Gefängniszellen, sechs Varianten von Sandro Botticellis Gemälde „Bildnis eines jungen Mannes“ aus dem Jahr 1480. Auf den ersten Blick schauen die im Format von 50 x 40 cm gemalten Porträts alle gleich aus, schaut man genauer, erkennt man, dass keine zwei gleich aussehende Bilder gleich sind, selbst wenn sie das Gleiche darstellen. Mahlknecht verfolgt eine ästhetische Strategie der Aneignung bereits vorhandener Bilder - eine konzeptuelle Praxis von enormer Tragweite in der Kunst des 20. Jahrhunderts. Aneignen ist nicht kopieren. Der malerische Prozess macht das Ursprungsbild zu etwas Neuem, ohne dass seine ursprüngliche Erscheinung modifiziert werden muss. Mit Botticelli verbindet ihn die Lust am Erzählen. Wie den Dramatiker Botticelli, der Emotionen und Leidenschaften zu inszenieren, ja aufzupeitschen wusste, interessieren Mahlknecht Geschichten. Alte Gemälde schaut er ziemlich respektlos wie Comics an und holt die Details oder Stimmungen heraus, die ihn anregen. Ein Bild ist Farbe, es darf sogar nur Farbe sein, aber es muss auch Anhaltspunkte für eine Geschichte enthalten.

Botticellis Gemälde „Bildnis eines jungen Mannes“ ist berühmt und gehört dem populären Bildgedächtnis an, das Michael Munding seinerseits auf der Basis von Postkarten künstlerisch bearbeitet. Ein Kitschpostkarten-Albtraum des ungetrübt Schönen und von Orten, wo immer Sommer ist, wo das Herz wohnt, die Gemütlichkeit ihre Orgien feiert und des Kuscheligen einfach zu viel, tut sich da auf. Gleichzeitig demonstriert der Künstler, wie ein Massenprodukt unter der Hand des Malers unversehens zum Original wird.

Im antagonistischen Paar Kunst/Nichtkunst werden diese Bildwerke in den Limbus der Nichtkunst verstoßen, aber allen Einflüsterungen des kritischen Geschmacks zum Trotz verdanken wir ihnen unsere originellsten ästhetischen Emotionen. Der Kitsch ist die geheime Leidenschaft der Intellektuellen.

Passend zum Ausstellungsort hat der Künstler für die Ausstellung in Kaltern Ansichten von den Dolomiten gewählt. Für die kleineren Formate (12,8 x 18 cm) verwendet Munding Acryl auf Kupfer, für die Großformate (180 cm x 125 cm) arbeitet er in Mischtechnik auf Alucobond.

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Foto ab/dal 2016 © Nora Sölva

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