TEXT ZUR AUSSTELLUNG

Ballad of Freedom

Sound und Lichtinstallation von Sabine Marte und Hannes Egger

Technische Realisation: Oliver Stotz

„Eine performative Orientierung zeichnet sich als neues kulturtheoretisches Paradigma ab.

Die Stimme ist ein performatives Phänomen par excellence.“*

Ein bedeutender Teil der Weltbevölkerung erlebt am eigenen Leib, eine von vielen bis dato nicht gekannte, Freiheitseinschränkung aufgrund der politischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19 Pandemie. Lockdown, Ausgangssperren, Social Distancing, zum Teil digitale Überwachung, usw. sind Maßnahmen, die zur Realität von Millionen Menschen geworden sind. Der Begriff „Freiheit“ hat durch die Pandemie eine neue Bedeutung bekommen.

Das ehemalige Gefängnis von Kaltern, in dem die Galerie GefängnisLeCarceri untergebracht ist, diente für lange Zeit zum ein- und wegsperren von Menschen. Im Projekt von Hannes Egger und Sabine Marte hingegen, wird das Publikum ausgesperrt.

Das Gebäude selbst wird mit der „Ballad of Freedom“, kombiniert mit dem An- und Ausgehen von Lichtern, bespielt. Verschiedene Lautsprecher sind im Gebäude verteilt und von diesen erklingen, über eine 4- Kanal Komposition, Teile der Ballade, die durch die geöffneten Fenster nach Außen dringen. Parallel dazu schalten sich die Lichter im Haus ein und aus, wodurch sich gemeinsam mit der Musik auch der visuelle Akzent verschiebt.

Es scheint, also ob ein eingesperrter, nicht klar definierter Körper sich im Gebäude, zwischen den Räumen bewegen würde und sänge.

Durch die Installation sind die verschiedenen Räume und Zellen des Gefängnisses bespielt, das Gefängnis aber kann nicht betreten werden. Die Installation ist nur von außen, durch die Musik und das Licht, erlebbar. Ihr wohnt jedoch über die Sounds und Stimmen die durch die Räume wandern, etwas Ereignishaftes inne. Die Galerie GefängnisLeCarceri wird zum Bühnenkörper. Die körperlosen Stimmen und Inhalte, die im Gebäude aus akustisch unterschiedlichen Orten und Richtungen zu hören sind, erfahren über die Koppelung von Sound und Licht eine Verlebendigung.

Im Sinne des 1+1=1 Konzeptes der Galerie GefängnisLeCarceri arbeiten Hannes Egger und Sabine Marte zusammen und erstellen ein gemeinsames Werk. Es ist die erste Kooperation der beiden Künstler*innen. Unterstützt werden sie für den installativen Teil des Projekts vom Musiker und Programmierer Oliver Stotz.

* Doris Kolesch / Sybille Krämer: Stimmen im Konzert der Disziplinen. Zur Einführung in
diesen Band.
In: Doris Kolesch / Sybille Krämer (Hg.): Stimme. Annäherung an ein Phänomen.
Frankfurt am Main: Suhrkamp 2006, S. 7-15, S. 10-13.

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Foto ab/dal 2016 © Nora Sölva

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