TEXT ZUR AUSSTELLUNG

 

Sodom & Gomorrha

Christoph Hinterhuber und Petra Polli

 

“Wir geben der Form und der Farbe die ihnen eigene Bedeutung, soweit wir sie sehen können; in unseren Themen wahren wir die Freude der Entdeckung, das Vergnügen am Unerwarteten; unser Thema an sich muss eine Quelle des Interesses sein."

Pablo Picasso

Das Unerwartete, Verbotene, Grenzüberschreitende und dennoch Interessante und Entdeckungsfreudige am intensiven Beobachten von Kunstwerken schafft eine intime Begegnung zwischen KünstlerIn und BeobachterIn. Es entstehen Spuren, Zeichen, Formen und Erinnerungen, welche die Erkennung eines jeden selbst widerspiegeln.

 

Die Südtiroler Künstlerin Petra Polli hat für die Ausstellung in der Galerie Gefängnis Le Carceri den österreichischen Künstler Christoph Hinterhuber eingeladen, um gemeinsam an der Idee der Spuren, Zeichen und Erinnerungen zu arbeiten, welche durch Abstraktion, Sprache und Form eine Klarheit in die sooft düstere Zelle eines jeden Gefängnisses zu entschlüsseln versuchen.

 

In Pollis Arbeiten nehmen Spuren, Gesten und Zeichen einen primären Platz in den abstrakten und farbreduzierten Arbeiten ein. Diese Zeichen, welche sie in mehrschichtigen Prozessen und in gestischer Herangehensweise auf Papier bringt, nehmen dabei direkten Bezug zum Ausstellungsort, einem ehemaligen Gefängnis, wo Insassen ihre Spuren auf Wänden und Türen demonstrativ durch Einritzungen hinterlassen haben. Der Entstehungsprozess der Arbeiten ist dadurch ein Aneignen, Übersetzen und Recyceln von erlebter Realität.

 

Auch Hinterhuber nimmt in seinen Arbeiten Bezug auf verschiedenste Zeichen und deren Interpretationsspielräume. Er wiederum schafft aber Werke, in denen explizite Sprache zu Form wird. Knallige Farben und Schriftzüge finden ihren rechtmäßigen Platz in den monochromen und geometrisch konstruierten Bildern und Lichtinstallationen wieder. Farbe und Form dominieren die Bildfläche, in welcher historische Bezüge zum Konstruktivismus, Minimalismus und der Konzeptkunst wahrgenommen werden. Hinterhuber verleiht seinen Bildern mit gezielt minimalistischen räumlich geschaffenen Bildkonstruktionen eine charakteristische Note.

 

Die Ausstellung in der Gefängnisgalerie präsentiert über drei Etagen verschiedenste Werke aus den Bereichen Malerei, Video, Lichtinstallation und Sprachsound. Im Erdgeschoss zeigt Hinterhuber eine Lichtinstallation und eine Videoarbeit zum Thema der digitalen Skulptur, während im Obergeschoss Pollis ausdrucksstarke Arbeiten in den erinnerungsträchtigen Zellen Platz finden – es entsteht ein Moment der Leere und des Fragmentarischen. Im letzten Stockwerk vermischen sich Pollis Werke mit denen von Hinterhuber in eine anregende Symbiose – es entsteht ein Dialog zwischen den abstrakten und in ihrer Farbigkeit zurückhaltenden Arbeiten Pollis und den monochromen, minimalistischen Wandarbeiten Hinterhubers, die zusammen eine wirkungsvolle Raumerfahrung für jede/n BesucherIn entstehen lassen.

 

Die konträre Arbeitsweise der beiden Künstler – vom Gestischen und Abstrakten hin zum Minimalistischen und Geometrischen – führt letztlich zu einer spannungsreichen und vielschichtigen Synergie in den geschichtsträchtigen Gemäuern der Galerie.

 

Nicole Abler

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