TEXT ZUR AUSSTELLUNG

Papillon

Objekte, Installation, Scherenschnitt von Ruth Gamper und Claudia Schäfer

„Papillon“ – so lautet der inhaltsgeladene Titel der Ausstellung, in der Ruth Gamper (Bozen) und Claudia Schäfer (Eisenberg) ihre Arbeiten präsentieren. Die beiden Künstlerinnen stellen gewohnte Materialien aus dem Alltag, die in ihrer eigentlichen Verwendung bereits ausgedient haben, in ungewohnten Kompositionen in einen neuen Kontext. Die Beschäftigung mit Abfallprodukten ist der Ausgangspunkt ihres kreativen Schaffens, das einerseits einer spielerischen, experimentierfreudigen Intention entspringt aber andererseits auch in unprätentiöser Weise das Konsumverhalten und die daraus resultierende Müllproblematik aufzeigt.

 

Ruth Gamper hat sich in den letzten Jahren mit den verschiedensten trivialen Materialien auseinandergesetzt, die in ihrer künstlerischen Umsetzung jedoch nicht immer gleich als solche erkennbar sind. Im Weiterbearbeitungsprozess erfahren diese Materialien, seien es nun Kaffeefilter, Reis- und Kaffeesäcke, Nylontaschen oder Styropor, durch den ästhetisierenden Eingriff eine weit reichende reflektierbare Bedeutung. Ruth Gamper recycelt im weitesten Sinne unsere alltäglichen Bedürf­nisse. In den hier gezeigten Arbeiten ist es das Grundnahrungsmittel Brot, das auf unkonventionelle Weise mit verrostetem und kaputtem Werkzeug kombiniert wird und somit gleichzeitig symbolträchtig für den Ausstellungsort und den damit zu­sammenhängenden Realitäten erscheint. Die Objektarbeiten und Collagen von Ruth Gamper reduzieren sich nicht nur auf ihre reine formal-ästhetische Aussagekraft, sie sind auch gleichzeitig Ausdrucksträger ökologischer und soziologischer Aspekte. Sie greift in ihren Arbeiten die Idee der Dadaisten auf und erweitert sie noch um den ästhetischen Aspekt. „Mich überzeugt die Idee des Dadaismus, die Kunst als Spiel zu interpretieren und deshalb als Freiheit. Nur im Spiel sind wir ganz frei – und die Freiheit scheint mit der höchste Wert des Menschen überhaupt zu sein.“ (Ruth Gamper)

 

Für Claudia Schäfer ist die Verwendung, das Sammeln von Verpackungen, die sie in Scherenschnitte verwandelt, bereits zu einer Art von Sucht geworden. Entfaltete Verpackungen werden ihrer Notwendigkeit beraubt und scheinen sich plötzlich in übereinander liegende Erdschichten, in komplizierte Grundrisse oder in großforma­tige Origamis zu verwandeln. „Es ist die Faszination des Überführens eines drei­dimensionalen Objekts in die zweidimensionale komplexe Form, die ein geheimes Innenleben hat. Dieses zu entdecken und zu betonen ist mein Anliegen. Ich zeige Verpackungen als zu ihrer vollen Schönheit entfaltete Formen, befreie sie aus ihrem dreidimensionalen Schattendasein, entkleide sie ihrer oft aufdringlichen Farbigkeit und Beschriftung. Durch diese 'chirurgische' Tätigkeit vollziehe ich einen Akt der Reinigung, um zur Formschönheit und -klarheit vorzudringen. Um dahin zu gelangen, gehört es für mich dazu, die Farbigkeit sehr stark zu reduzieren: graubraun, schwarz, Transparenz. Die Form dominiert die Farbe.“ Für die Arbeit „Leerräume sind produktionsbedingt“ verwendet Claudia Schäfer gängige Materialien: Re­cyclingkarton und Altpapier, in diesem Falle Buchbinderkarton und Graupapier. Die aufgedruckten, scheinbar unbedeutenden Werbetexte reduzieren sich auf ihre grafische Form, erlauben es aber dem Betrachter gleichzeitig, das ursprüngliche Produkt zu erkennen. „Der Verpackungsinhalt wird zum Abfall, zumindest zur Nebensache. Ich kehre das um, was in unserer Konsumgesellschaft das Wichtigste ist: Inhalt wird zu Abfall, vermeintlicher Abfall zu Inhalt.“ (Claudia Schäfer)

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