TEXT ZUR AUSSTELLUNG

 

Strategies of escaping 

Luisa Roa und Maria Walcher

Luisa Roa und Maria Walcher haben sich im Master „Public Art and New Artistic Strategies / Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien“ an der Bauhaus-Universität Weimar kennen gelernt. Da sich ihre Arbeitsweisen sowie künstlerischen Interessen immer wieder überschneiden, haben sie beschlossen, sich in dieser Ausstellung gemeinsam dem Thema Gefängnis und Fluchtstrategien anzunähern. So sind der Titel und das Konzept von „Strategies of Escaping“ aus Überlegungen und Gesprächen über die Bedeutung von Gefängnissen hervorgegangen.

Was heißt es, ein/e Gefangene/r zu sein, das Bedürfnis nach Flucht zu verspüren? Was bedeutet Gefängnis abseits der Gefängnismauern, abseits dieses physischen Ortes? Auch der eigene Körper, der Geist und die Psyche oder Instanzen wie Kultur, Gesellschaft und Familie können zum Gefängnis werden und das Bedürfnis nach Ausbruch erwecken. Eine mögliche Reaktion ist die Flucht oder das Kreieren eigener Welten/Mikrokosmen, in denen man sich einen Freiraum schafft, manchmal auf physische, oft auch auf imaginäre Weise.

Ausgehend davon, dass die beiden Künstlerinnen in unterschiedlichen Ländern/Kontinenten aufgewachsen sind, haben sie sich gefragt, ob und inwiefern ihre sozialen, familiären und kulturellen Kontexte für sie Gefängnisse dargestellt oder sie zur Flucht bewegt haben. Denn Migration aufgrund von wirtschaftlichen und politischen Krisen oder Gewalt, sowie die Sicht der Welt als Dorf – wie es Boris Groys, Nicolas Bourriaud oder Zygmunt Bauman beschreiben – bewirken, dass sich heute Massen von Menschen auf dem Weg befinden. Daher ist auch der Aspekt der Flucht im Sinne von Ortswechsel und Auswanderung Teil dieses Ausstellungsprojekts.

Der Zellencharakter der Räumlichkeiten, der in der Galerie noch deutlich spürbar ist, das massive Gemäuer, die kleinen, niedrigen Gewölberäume und die festen Holztüren mit eisernem Schloss und Sichtfenster können leicht ein Gefühl von Klaustrophobie aufkommen lassen. Während man durch die vergitterten Fenster nur Fragmente der Außenwelt erblickt, wie ein Stück der Straße, einen Teil eines Daches oder den Zweig eines Baumes, sind die Innenräume reich an kleinen Details und laden ein, die Räumlichkeiten nicht nur als Präsentationsort, sondern als Inspirationsquelle zu sehen und diese in die Ausstellung mit einzubeziehen.

Sowohl durch die physischen Beobachtungen, die sie vor Ort gemacht haben, als auch durch die symbolische Auseinandersetzung mit dem Ort, verstehen sie die einzelnen Gewölberäume als Mikrokosmen und gehen in ihrer künstlerischen Arbeit auf verschiedene Aspekte von Gefängnis und Fluchtstrategien ein.

Dieses Ausstellungsprojekt wird in einer Publikation zusammengefasst, die neben ihren künstlerischen Positionen auch Texte von (vorwiegend kolumbianischen) AutorInnen enthalten wird, die in verschiedenen literarischen Formen über das Thema „Strategies of Escaping“ schreiben. Die Publikation wird 2015 an Bibliotheken und Institutionen in Bogotà verteilt werden.

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